16.03.2012 – 13.04.2012

Thomas Hauri

Vernissage Fr 16.03.2012
ab 18 Uhr



www.thomashauri.ch


In ihrer Eigendynamik und Prozessualität fügen sich Thomas Hauris abstrakte, letztlich aber fast immer auf architektonische oder industrielle Formen referierende Bildfindungen in gewisser Weise von selbst. Die Unbeschriebenheit des Papierweisses bildet in ihrer radikalen Offenheit eine der Grundvoraussetzungen dafür. Zu Beginn seines Arbeitsprozesses fixiert Thomas Hauri Papierbögen auf einer Leinwand und verleiht so der beweglichen Oberfläche des Blattes temporär eine feste Körperlichkeit. Im produktiven Umgang mit dem eingefärbten Wasser, durch das mehrfache Drehen, Stellen und Legen des auf dem Keilrahmen angebrachten Blattes, entstehen auf dessen Oberfläche jene organisch expressiven Strukturen, welche für das Aquarell bezeichnend sind. Medienspezifisch wirken diese auf den Schaffensprozess zurück: Jede mit flüssiger Farbe, mit Zerstäuber, Pinsel oder Bürste vorgenommene äussere Markierung bildet eine sich selbst vollziehende Rückkoppelungsschleife auf dem Papier. Thomas Hauri reagiert auf diese Eigendynamik des Aquarells durch ändernde und modifizierende Eingriffe, durch Rauswaschungen oder weitere Schichtungen, sodass die anfänglich körperlose Offen- und Unbestimmtheit langsam und prozesshaft jener architektonischen Bestimmtheit weichen kann, welche seinen Arbeiten eigen ist und letztlich mit der Art und Weise ihres Hervortretens, mit dem eigendynamisch expressiven Medium des Aquarells kontrastiert.
Die drei grossformatigen Aquarelle, welche Thomas Hauri in seiner Einzelausstellung in der Schwarzwaldallee zeigt, folgen diesem medienspezifischen Entwicklungsrhythmus vom Hellen ins Dunkle, vom körperlos Offenen ins körperlich Geschlossene und Bestimmte. In ihrer finalen Erscheinung sprechen sie die Sprache der abstrakten architektonischen und industriellen Formen. Durch die rahmenlose Verbindung mit der Realarchitektur des Ausstellungsraums bleibt die Objekthaftigkeit des Büttenpapiers spürbar, gleichsam erweitern sich Realarchitektur und Bildträger in die imaginäre Tiefe der zentralperspektivischen Konstruktion.

Lorenz Wiederkehr