16.02.2013 – 15.03.2013

Philomène Hoël
Stefan Karrer
'The moment you know
you know, you know'

Vernissage Sa 16.02.2013
ab 19 Uhr



www.philomenehoel.fr
www.stefankarrer.ch


Unter dem Titel ‚The moment you know you know, you know’ präsentiert die in Paris geborene, heute in Lausanne lebend- und arbeitende Künstlerin Philomène Hoel zusammen mit dem Basler Künstler Stefan Karrer aktuelle Arbeiten in der Schwarzwaldallee. Den beiden künstlerischen Positionen gemeinsam sind die Fragen nach den unterschiedlichen Möglichkeiten der Kontextualisierung und Bedeutungsaufladung von fotografischen Bildern: Inzwischen ist jede Stelle der Oberfläche der sichtbaren Welt ein potentielles Bild und als solches potentielles Bild ist auch jede Stelle der Oberfläche der sichtbaren Welt inzwischen beliebig reproduzier- und subjektiv manipulierbar – ist ‚The moment you know you know, you know’.

Stefan Karrer durchsucht das Internet anhand seiner eigenen konzeptuellen und ästhetischen Kriterien nach poetischen, scheinbar abstrakten, von Zufall, Unfall und Zerstörung bestimmten, zeichenhaften Elementen. Dabei bilden die Fragen, wie sich die eigenen künstlerischen Vorstellungen auf vorgefundene Bilder anwenden lassen, wie sich die in die Maschine eingegebenen Suchbegriffe und Bildtitel zu den dazu erscheinenden Bildern verhalten, wie sich Auswahl- und Ordnungskriterien konstituieren, und wie sich gefundene Bilder ausserhalb des Netzes reaktivieren lassen, seinen Massstab. Die fotografischen Serien und Videoarbeiten, die Karrer als das Resultat seines Herumstromerns im www. in der Schwarzwaldallee ausstellt, enthalten allesamt malerische, zeichnerische oder performative Spuren: Beispielsweise wird in der Fotoserie ‚Bird Droppings’ (2013) das vom unbekannten Fotografen zufällig festgehaltene und nach wie vor eher negativ behaftete Ereignis des scheissenden Vogels zu einer zeichnerischen Aktion vor dunkelblau bis hellgrau gefärbtemHintergrund.

Philomène Hoel betrachtet die eingangs genannte Oberfläche der sichtbaren Welt als ein grundsätzlich leeres Objekt: Die Wirklichkeit trägt ohne wahrnehmendes Subjekt keinerlei Bedeutung in sich. Analog zu dieser grundsätzlich leeren Wirklichkeit sind die filmischen und fotografischen Arbeiten, die die Künstlerin in der Schwarzwaldallee zeigt, ebenfalls als grundsätzlich leere Objekte zu lesen, als leere Objekte, die erst durch das aktive Betrachtersubjekt mit Inhalt und Bedeutung gefüllt werden. Die 20 Männer, die in der fotografischen Serie ‚Objet d`imagerie Men’ (2010 - 2012) neben weiteren Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind, sind somit nicht als porträthaft abgebildete Subjekte, sondern entsprechend dem Titel vielmehr als ‚Objekte der Bildgebung’ zu verstehen. Diesen porträthaft abgebildeten Männern kommt grundsätzlich keine Individualität zu – sie werden vielmehr zu reinen Projektionsflächen des aktiven Betrachters, der sie mit seinem eigenen Begehren, seinen subjektiven und manipulierbaren Wünschen, Träumen und Phantasmen mit Inhalten füllt und komplettiert.

Lorenz Wiederkehr