14.03.2014 – 12.04.2014

Aline Zeltner
Lea Tania Lo Cicero
Yana Dubosson
'Sospeso'

Vernissage 14.03.
ab 19 Uhr



www.alinezeltner.com


Auf Einladung von Aline Zeltner (*Biel, lebt und arbeitet in Basel) präsentiert die Schwarzwaldallee vom 14.03. – 12.04.2014 aktuelle Arbeiten der Künstlerin zusammen mit Werken von Yana Dubosson (*Weissrussland, lebt und arbeitet in Zürich) und Lea Tania Lo Cicero (*Frankreich, lebt und arbeitet in Genf).

Aline Zeltner präsentiert drei hochformatig an die Wand angebrachte Matratzen, auf denen sich tatsächliche Schmetterlinge gerade eben niedergelassen zu haben scheinen. Bei diesen Matratzen handelt es sich um gebrauchte Objekte, die die Künstlerin aufgrund ihrer Farbigkeit und Musterung zunächst spontan und subjektiv ausgewählt hat. Durch die spezifische Anbringung im Ausstellungsraum erhalten diese Gegenstände jedoch jene performative Umdeutung des Alltäglichen, die für Aline Zeltners künstlerische Praxis bezeichnend ist: In ihrer vertikalen Präsentation werden die auf die Proportionen des menschlichen Körpers abgestimmten und auf den intim-horizontalen Gebrauch hin angelegten Matratzen zum Bild. Sie werden zum rudimentären Stellvertreter eines abwesenden Anderen, zum Echo einer vergangenen Handlung oder Geschichte. Durch die fragilen Schmetterlinge wird die raue Poesie der Matratzen sensibel hervorgehoben und verstärkt.

Die in Weissrussland geborene heute in Zürich lebend und arbeitende Künstlerin Yana Dubosson präsentiert in der Ausstellung zwei zeit-räumliche Arbeiten (Objekt und Video), die zunächst durch ihre intensive Farbigkeit und fragile Oberflächenmaterialität optisch bestechen. Durch ihre jeweilige Titelgebung werden diese Arbeiten jedoch sowohl durch autobiographische als auch durch (kunst-/film-)historische, (sozial-)philosophische und erdgeschichtliche Bezüge gedanklich erweitert.
„Asja Lacis“ (2011) ist ein als Tisch installiertes und zur Relieftopographie tendierendes Objekt, das sich durch farbintensives Pink, eine fragile Oberflächenmaterialität (Electro-Static-Flocking) und eine chaotisch leicht gestörte Symmetrie auszeichnet. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf die Russische Schauspielerin Asja Lacis (1891 – 1979), eine enthusiastische Bolschewikin und Geliebte Walter Benjamins. Trotz dieser durch den Titel gegebenen Verbindung zu Walter Benjamin scheint Yana Dubossons Objekt in seiner visuellen Erscheinung weniger auf die Texte eines grossen Denkers zu verweisen, als vielmehr auf die möglichen inneren Zustände der Frau hinter einem solchen: „Asja Lacis“ verstanden als visueller Exorzismus innerer Zustände in Zeiten des Chaos, in Zeiten der Revolution.
Das Video „Am I suffering from a Permo-Triassic Complex?“ ist 2014 als gedankliche Weiterführung von „Asja Lacis“ entstanden. Formal greift es deren intensive Farbigkeit sowie entfernt Teile deren Oberflächenstruktur wieder auf. In Pink wird eine bestimmte Masse gezeigt, die sich innerhalb ihrer physischen Gegebenheiten chaotisch bewegt. Es handelt sich um die filmische Sequenz der „Ursuppe“ aus Andrej Tarkovskis „Solaris“ (1972), demjenigen Planeten, auf dem sich die Individuen mit ihren menschgewordenen Erinnerungen konfrontiert sehen. Die von Yana Dubosson gewählte Filmsequenz wird nicht geloopt, sondern in Vor- und Rücklauf abgespielt, wodurch sich die Bewegungen der ozeanischen Oberfläche des Planeten zur Atmung, zum Flügel- oder Pendelschlag transformieren.
In ihrer intensiven Farbigkeit beziehen sich sowohl „Asja Lacis“ als auch „Am I suffering from a Permo-Triassic Complex?“ auf das grösste bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte, das sogenannte Perm-Trias-Ereignis. Dieses Ereignis soll vor 251,4 Millionen Jahren stattgefunden und rund 75% der an Land lebenden sowie 95% der marinen Organismen vernichtet haben. In der Folge verfärbten sich die Meere unseres Heimatplaneten pink.

Die in Dijon geborene heute in Genf lebend und arbeitende Künstlerin Lea Tania Lo Cicero präsentiert in der Ausstellung zwei Arbeiten, die als künstlerische Untersuchung der Erzeugung von Präsenz, wenn das Visuelle dezidiert abgezogen ist, gelesen werden kann. Gleichsam können die beiden Arbeiten als Reflexion über das Selbstportrait oder aber als Versuch der Extension der eigenen Identität verstanden werden.
Mit „Breath“ (2013) zeigt Lea Tania Lo Cicero eine kleine, in sich geschlossene Glasampulle. Diese ist auf einen schmalen Sockel erhoben und enthält als Essenz den durch eine Parfumeurin produzierten Duft der Künstlerin: „Breath“ – ein olfaktorisches Selbstportrait.
Nebst dieser Arbeit präsentiert Lea Tania Lo Cicero die Soundinstallation „One Voice (1)“ (2012). Dabei handelt es sich um die Klänge einer Stimme, die von einer durch die Architektur des Ausstellungsraumes gegebenen Nische über mehrere Lautsprecher in den Raum hineingespielt werden. Analog zum in der Ampulle eingeschlossenen Eigenduft der Künstlerin sind dies die Klänge ihrer eigenen Stimme.
Der Duft und der Klang, die sich in Zeit und Raum in vergleichbarer Weise entfalten, können als die beiden wesentlichen Elemente von „Breath“ und „One Voice (1)“ betrachtet werden. Nicht sichtbar, dafür aber unmittelbar und direkt, dringen Duft und Klang aus dem Innern der physisch präsenten Dinge hervor und ebenso unmittelbar und direkt dringen diese in das Innere der Rezipienten wieder ein. Dort werden sie zu einer neuen, nicht mehr physischen dafür aber imaginierten Präsenz synthetisiert.
Wichtig scheint festzuhalten, dass in „Breath“ der Eigenduft der Künstlerin zu keinem Zeitpunkt tatsächlich aus der Ampulle ausströmt. Es ist lediglich das Wissen um die Existenz dieses Duftes im Innern der Ampulle, welches genügt, um die Imagination der Betrachtenden zu aktivieren.

Lorenz Wiederkehr