20.11.2015 - 20.12.2015

[ ]
Andreas Fogarasi
Livia Di Giovanna
Florian Graf
Karin Lehmann

Mit einer Publikation von Dominic Michel
Vernissage Fr 20.11.
ab 19 Uhr



www.karinlehmann.ch
www.floriangraf.ch
www.georgkargl.com/de/kuenstler/andreas-fogarasi


In der Gruppenausstellung [ ] soll das in der Wahrnehmung konventionsbedingt 'Mitgegenwärtige' und 'Mitbewusste' anhand der spezifischen räumlichen Einbindung von bildkünstlerischen Objekten im 'Space of Display' analysiert und ausgestellt werden. Die Konstruiertheit des gegebenen Umraums eines Kunstwerks ist ein ebenso konstitutiver Bestandteil seiner Wirkung wie es selbst. Im Einzelfall des Ausstellungsraums der Schwarzwaldallee, bei dem es sich um eine ehemalige Poststelle handelt, kommt dies in einer offensichtlichen Weise zum tragen.
Mit der Wahl von Livia Di Giovanna, Florian Graf, Andreas Fogarasi und Karin Lehman sowie mit der zur Ausstellung erscheinenden Begleitpublikation von Dominic Michel wird der Fokus auf fünf KünstlerInnen gelegt, in deren Werk sich die Auseinandersetzung mit dem 'Space of Display' in diesem Sinne sichtbar abzeichnet.
Livia Di Giovanna umrundet mit der Kamera ein Kieswerk (das inzwischen nicht mehr existiert, weil es abgerissen wurde) von zwei Seiten. Die beiden Filme verschränkt sie in einer Splitscreen Technik so, dass aus den einst realpräsenten Volumen und Flächen die kristalline Form eines gänzlich konzeptuell angelegten Objektes entsteht. Damit entlarvt die Künstlerin die subjektive Wahrnehmung als Konstruktion vorgefundener Realität.
Florian Graf zeigt sich in einem Video als sein Alter Ego Olf Graphenheim bei der Produktion eines Kunstwerks. Indem Graf das Künstlersubjekt so von seiner eigenen Person abtrennt, verbindet er kritisch-ironisch die Suche nach der Rationalisierung von Kunst mit der nach wie vor vorhandenen Überzeugung der individuellen Bedeutung des künstlerischen 'Ingeniums'. Es stellt sich die Frage, ob Bruce Wayne Batman ist oder Batman Bruce Wayne.
Andreas Fogarasi vergegenwärtigt in der Arbeit 'Public Brands – Deutsche Städte' 'deutsche Städte' indem er sie unter ihre zum bildlichen Transport von Bedeutung menschgemachten 'Brands' subsummiert: Auf dem flachen Screen eines weissen Monitors erscheinen hintereinander zu Repräsentationszwecken konstruierte 'Embleme' als vollständige Sinneinheiten mit allgemeingültigem Charakter. Das, was Fogarasi mit dieser Setzung problematisiert, ist nicht mehr und nicht weniger die Relativität bildlicher Repräsentation selbst.
Karin Lehman markiert die Präsenz des Ausstellungsraums schliesslich explizit. Dies tut sie, indem sie ein einst institutionell gesetztes Stahlgitter von der Aussenfassade des Hauses abtrennt und es verbogen in den 'Space of Display' wieder hineinquetscht. Die Gewalttat dieser hinter der physischen Präsenz des Objektes mitbewussten Geste (formal erinnert das Werk an die sich selbst genügenden Objekte der Minimalisten-Machos) konterkariert die Künstlerin, indem sie an die Gitterstäbe, die den Ausstellungsraum von der öffentlichen Strasse trennen, selbst geschmiedete Formen anbringt: Ornamental überwuchern stählerne Blätter die Hülle der ehemaligen Post und setzen sich über die Grenze von Innen und Aussen hinweg.
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation von Dominic Michel. Der Künstler und Fotograf setzt sich in dieser mit öffentlichen Plätzen auseinander, die Kunsträume wie die Kunsthalle Zürich, das Palais de Tokyo in Paris oder die Société in Berlin umgeben. Diese fotografischen Untersuchungen sind im Zusammenhang mit der Ausstellungsplanung von [ ] über den Zeitraum des Jahres 2015 hinweg entstanden.

Bianca Pedrina und Lorenz Wiederkehr