18.07.2014 - 16.08.2014

Céline Manz
Johanna Kotlaris
Kyle Tryhorn
'Gazing upon my reflection'

Vernissage Freitag 18.07.
ab 19 Uhr



www.celinemanz.com
www.johannakotlaris.tumblr.com
www.kyletryhorn.com


Mit ‚Gazing upon my reflection’ präsentiert der Ausstellungsraum Schwarzwaldallee aktuelle Arbeiten von Céline Manz (*1981 Zürich, aufgewachsen in Basel, lebt und arbeitet in Amsterdam), Johanna Kotlaris (*1988 Zürich, lebt und arbeitet in Zürich, Bern und Amsterdam) und Kyle Tryhorn (*1982 St. Catharines Canada, lebt und arbeitet in Amsterdam).
Ausgehend von der urheberrechtlich umstrittenen, digitalen Aneignung der Bilder des US-amerikanischen Hochglanzsexisten und Modefotografen Terry Richardson untersucht Céline Manz mit ihrer künstlerischen Tätigkeit selbstbewusst und kontrovers diskutierbar das in unserer Gesellschaft allgegenwärtige Phänomen der Pornification. Die in der Ausstellung als Plakatwand präsentierte Arbeit ‚A1’ besteht aus einer Reihe von farbenfrohen und scheinbar spielerisch produzierten Collagen, die zwischen formaler Nonchalance und inhaltlicher Ernsthaftigkeit bewusst changieren: Céline Manz spielt mit den von den populären Medien genutzten Schlüsselreizen der menschlichen Wahrnehmung, um damit die omnipräsent-unbewusste Neugierde am nicht selten sexistisch Abstossenden bewusst auf den Betrachter zurückzuwerfen. Auf die vom Art-Magazin in einem Interview gestellte Frage, ob es für sie keine Tabus gebe, antwortet die Künstlerin: „Natürlich kenne ich bei meinen Darstellungen keine Tabus, weil die ursprünglichen Bilder von Richardson ja auch keine Tabus kennen.“
Johanna Kotlaris präsentiert in einer im Ausstellungsraum installierten Kino-Box ihr 14 minütiges Video „IN THE SNOW OR AT THE BEACH“, welches 2013 mit dem Gerrit Rietveld Award in Design ausgezeichnet wurde. Das Video basiert auf einer rhythmisch-kontinuierlichen Abfolge von Bildern alltäglicher Gegenstände und Handlungen, die von einer neutralen Stimme aus dem Off kommentiert werden. Bild und Ton verweisen dabei zunächst auf das heute scheinbar unbestimmt-frei konstruierbare Design der eigenen Identität. Nichtsdestotrotz wird im zeitlichen Verlauf der filmischen Auseinandersetzung klar, dass Johanna Kotlaris’ künstlerische Arbeit die Scheindynamik unseres gegenwärtigen Narzissmus als nichts Geringeres entlarvt, als eine Fortsetzung und Bestätigung des Nach-Modern-Geschichtslosen und Immergleichen.[1] "The official dogma of western industrial societies is that welfare is maximised along with freedom. Our identity is a matter of choice, we can reinvent it every day: we are the designers of ourselves. (...)“
In seiner installativen Raumintervention hinterfragt der kanadische, heute in Amsterdam lebend- und arbeitende Künstler Kyle Tryhorn das immer artifizieller werdende Verhältnis des Menschen zur Natur. Auf der Grundlage von in der Natur tatsächlich aufgenommenen, im Atelier künstlich produzierten und aus dem Netz digital heruntergeholten Abbildungen von Wasserfällen komponiert Kyle Tryhorn eine durchgehend artifizielle, frei im Ausstellungsraum stehende Wasserfalltopographie. Damit entfremdet er die Wahrnehmung von Landschaft, verstanden als eine Situation natürlicher Zugehörigkeit, von ihrer eigentlichen Bedeutung und erweitert diese um soziologische und medienreflexive Aspekte. Kyle Tryhorn war nominiert für das Steenbergen Stipendium und gewann dabei den Publikumspreis.
Céline Manz, Johanna Kotlaris und Kyle Tryhorn haben gemeinsam an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam studiert und mehrere gemeinsame Ausstellungen realisiert. Mit ‚Gazing upon my reflection’ sind sie nun zum ersten Mal gemeinsam in der Schweiz zu sehen. Wir freuen uns über Ihr Interesse.

[1] Vgl. für die Begrifflichkeiten: Juliane Rebentisch, Theorien der Gegenwartskunst, Hamburg 2014.

Lorenz Wiederkehr