16.05.2014 - 21.06.2014

Ramon Feller
Jan Hostettler
Matthias Liechti
'Gap'

Vernissage Freitag 16.05.
ab 19 Uhr



www.ramonfeller.ch
www.janhostettler.ch
www.matthiasliechti.ch


Ramon Feller präsentiert eine rechteckige, zunächst flach auf dem Boden des Ausstellungsraumes liegende, die Masse 900 x 150 cm umfassende Betonplatte. Durchzogen ist sie mit einem aus 2 mm dicken Drähten bestehenden Armierungsnetz. Über ein Seil und eine Seilwinde ist dieses Netz mit einem Elektrogetriebemotor verbunden, der an der Wand des Ausstellungsraumes angebracht ist. Während der Ausstellungseröffnung am Freitag 16.05.2014 wird der Motor in Gang gesetzt. Als Folge des langsamen Sich-Drehens der Seilwinde wird sich das Drahtnetz im zeitlichen Verlauf der Ausstellung verbiegen und der Beton wird brechen.
Das zunächst flach angelegte Betonfeld wird aus seiner konkreten Anfangssetzung heraus aufbrechen und sich innerhalb der Möglichkeiten und Grenzen der mechanischen Physik selbstständig und prozesshaft zur im Raum stehenden Plastik transformieren. Oder anders formuliert: Ramon Feller präsentiert ein künstlerisches Experiment, dessen Verlauf bis zu einem gewissen Punkt vorhersehbar, dessen finale Erscheinung jedoch bis zum Schluss sich selbst überlassen bleibt.

Jan Hostettler präsentiert in der Ausstellung eine Wandarbeit, die sowohl auf zeichnerischen als auch auf malerischen Voraussetzungen basiert. Es handelt sich um eine Arbeit, die die spezifischen physischen Grenzen des Ausstellungsraumes der Schwarzwaldallee explizit auslotet und markiert.
Auf ca. 2 Metern Höhe und in je einem Zentimeter Abstand bohrt Jan Hostettler Löcher in die Wände des Ausstellungsraumes. In diese spritzt er schwarze Tusche, die auf den Boden herunterrinnt. Das, was als Spur auf der weissen Fläche der Wand zurückbleibt, sind eng aneinander liegende schwarze Linien, die sich, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, von selbst gezeichnet haben. Diese Linien markieren zum einen die Grenzen des Ausstellungsraumes, zum anderen scheinen diese Linien paradoxerweise gerade diejenigen Grenzen, aus denen sie hervorgegangen sind, zugunsten eines optisch-oszillierenden Flimmerns wieder aufzuheben.
Formal und konzeptionell vergleichbar mit dieser Arbeit präsentiert Jan Hostettler eine weitere Arbeit, die bereits im Vorfeld der Ausstellung realisiert und in Form eines Künstlerbuches dokumentiert wurde.
Jan Hostettler hat in Löcher, die er in der gegebenen Architektur des öffentlichen Raumes der Stadt Basel vorgefunden hat, weisse Farbe eingespritzt und damit wiederum spurenhafte Linien hinterlassen. Mit diesem kaum wahrnehmbaren Eingriff verlagert der Künstler sein Spiel mit dem kontrollierten Zufall aus dem institutionell geschützten Rahmen der weissen Kiste hinaus auf die offene Strasse. Damit erweitert er die bereits mit der im Ausstellungsraum präsentierten Wandarbeit aufgeworfenen Fragen nach der Kontextualisierung und Bedeutungsaufladung künstlerischer Handlungen explizit um sozio-kulturelle und sozio-politische Aspekte.

Matthias Liechti präsentiert in der Ausstellung zwei vorgebliche ‚Sitzgruppen’: zum einen einen ‚Esstisch’, wie man ihn vorgeblich in öffentlichen Parks, Zoos oder auf Spielplätzen vorfinden könnte, zum anderen einen ‚Hochtisch’, der vorgeblich vor einer Bar, einem Strassencafé oder einem Kino verortet sein könnte.
Dass es sich bei diesen beiden ‚Sitzgruppen’ nicht um die Ready-Mades eines Stadtbauamtes sondern vielmehr um vom Künstler bewusst hergestellte artifizielle Objekte handelt, wird dem Ausstellungsbesucher beim Versuch einer tatsächlichen Benutzung der Objekte bewusst. Matthias Liechti hat die ideellen Proportionen dieser scheinbar öffentlich nutzbaren Möbelstücke visuell kaum merklich modifiziert. So sind beispielsweise die Abstände von Sitzbank zu Esstisch oder aber die Höhe von Barhocker und Hochtisch für eine tatsächliche Nutzung zu kurz oder aber zu lang.
Durch diese Modifikationen transformiert Matthias Liechti ein Objekt des Designs zu einem Objekt der Kunst. Gleichsam reflektiert er die institutionalisierte Lenkung des Menschen sowohl im öffentlichen Raum als auch im Kontext der Kunstproduktion und –präsentation.

Lorenz Wiederkehr